13.12.2017
Wenn Männer männlich pflegen
Die Angehörigenpflege zu Hause wird immer noch hauptsächlich als Frauen-Domäne angesehen, doch etwa jeder dritte Mann pflegt inzwischen Partnerin oder Elternteil, bei den über 70-jährigen sogar mehr ältere Männer ihre Partnerin als umgekehrt.

Doch es gibt Unterschiede zwischen den pflegenden Geschlechtern, Frauen fühlen sich zur Pflege der Angehörigen oftmals verpflichtet und fürchten Kritik oder Ablehnung, wenn sie diese Aufgabe in fremde Hände geben. Pflegende Männer hingegen übernehmen diese Herausforderung meistens aus Liebe und gehen dabei zum Teil ganz neue Wege. Sie holen sich eher professionelle Hilfe ins Haus, nutzen ihr Wissen und ihre Fertigkeiten aus Arbeit, Beruf zur Erleichterung der täglichen Aufgaben und schaffen sich ihre Freiräume.
Wenn die pflegenden Männer an ihr Limit geraten, mit den neuen ungewohnten Aufgaben, dem Kochen, Waschen und Bügeln lernen, wenn das Windeln wechseln und die Intimpflege überfordert, wenn evtl. vorhandene Demenz an die Grenzen bringt, wird es voll akzeptiert, dass sich die Männer Hilfe besorgen, während von Frauen erwartet wir, dass sie alles alleine im Griff haben. Sie haben in vielen Fällen ja schon Übung mit den Kindern gehabt, so die äußere Wahrnehmung.

Doch auch unter den pflegenden Männern holen sich diese Unterstützung manchmal nicht oder zu spät. Statt Fachstellen zu kontaktieren, oder über Selbsthilfegruppen Rat zu suchen, werden Informationen über das Internet beschafft. Die Pflege wird zum Einzelkampf und der Anschluss zu Freunden, Verein, Stammtisch geht verloren. Sie isolieren sich mehr und mehr. Erst wenn gar nichts mehr geht, wird die Reißleine gezogen und professionelle Hilfe geholt. Dass die Qualität der Pflege nicht ausreichend ist, wird häufig erst spät bemerkt.
Das Familienzentrum GANZ e. V., in Zusammenarbeit mit dem Generationen-Netzwerk Neu- Anspach, möchte pflegende Männer in den Mittelpunkt eines Projektes stellen. Pflegende Männer sollen gezielt angesprochen werden. Das Projekt startet mit einer Demenzschulung mit parallel angebotener Betreuung des/der Angehörigen in der betreffenden Zeit. In mehreren Modulen werden die verschiedenen Aspekte der Pflege einer an Demenz erkrankten Person erörtert.

  • Ursachen, Symptome und Verlauf
  • Körperpflege, Essen und Trinken
  • Freizeit und Tagesgestaltung
  • Arztbesuche, Reisen, Autofahren
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Unterstützung für die Angehörigen
  • Sicherheit und Orientierung
  • Rechtliche Aspekte

Weiteres Ziel der Schulung soll sein, die tatsächlichen Bedarfe der pflegenden Personen zu kennen zu lernen, um diese anschließend mit den Leistungen des Generationen-Netzwerks abdecken zu können.
Nach Abschluss der Schulung ist vorgesehen, einen Stammtisch anzubieten, um den Teilnehmern weiterhin eine Möglichkeit zu bieten, sich über ihre Situation mit gleichgesinnten auszutauschen oder einfach nur einmal kurz eine Auszeit von der Pflege zu nehmen. Der Start des Projekts mit der Demenz-Schulung, soll am Dienstag, dem 16.01.18, in der Zeit von 16.oo Uhr und 18.oo Uhr starten. Veranstaltungsort ist das Café Hartel in Neu-Anspach, Taunusstraße 9. Die Folgetermine werden dann jeweils an den darauf folgenden Dienstagen stattfinden. Im Zeitraum der Schulungen stellt das Familienzentrum GANZ eine Betreuung der/des zu pflegenden Angehörigen zur Verfügung.
Interessierte Männer in dieser Situation haben die Möglichkeit, bei ZAK Generationenhilfe, dem Seniorenbeirat Neu-Anspach und dem Familienzentrum GANZ e. V. weitere Informationen zu diesem Projekt zu erhalten. Das Familienzentrum GANZ erreichen Sie montags bis freitags, telefonisch von 8-11 Uhr unter der Telefonnummer 06081-962452. Ihre Ansprechpartnerin ist Frau Corinna Godding.

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